Der Irrtum

von Carl Spitteler

Im Jahr 1897 veröffentlichte Carl Spitteler (1845– 1924) in der Zeitung «Der Gotthard» eine ausgezeichnete Beschreibung des Urnerföhns, den er aus eigenem Erleben kannte. In diesem Artikel sind u.a. die folgenden Feststellungen zu finden:
«Obschon die Theorie auch einen Tessiner Föhn auf- zählt, so ist er doch drüben selten, spielt keine wichtige Rolle und, die Hauptsache, er tritt niemals zu der nämlichen Zeit auf, wie sein nordischer Bruder. Föhn diesseits ist die zuverlässigste Bürgschaft für Föhnlosigkeit jenseits. Ich habe übrigens persönlich niemals etwas wie Föhn im Tessin verspürt.»
Der Nordföhn im Tessin ist jedoch als durchaus gleichwertiger Bruder des Südföhns vom nördlichen Alpenvorland zu bezeichnen und bringt es sogar auf eine etwas höhere Zahl an jährlichen Föhntagen. Ein gleichzeitiges Auftreten beider Föhnarten scheint nicht nur nach Spitteler, sondern auch nach verbreiteten Auffassungen, ausgeschlossen zu sein, ähnlich wie die gegensätzlichen Erscheinungen Tag und Nacht oder Licht und Schatten. Im Kapitel 3 dieser Broschüre ist jedoch ausführlich dargelegt, dass am 13. Dezember 1981 das für unmöglich gehaltene Ereignis gleichwohl eingetreten ist: Der Nordföhn im Tessin und der Südföhn im nördlichen Alpenvorland wehten an diesem Tag gleichzeitig und dies während vier Stunden.


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